Lauf-Fan Jörg    


 SUCHE:
 

»» Geschichte

Warum laufen

 

Ich laufe seit zehn Jahren!

Angefangen hat alles mit der Gewichtsreduzierung. Ja gut, acht Kilo konnte ich abnehmen und sogar bis heute halten. Aber nicht nur deswegen erkannte ich die Lauferei als mein Hobby, nein, auch wollte ich meinen Fitnesstand vergangener Jahre zurückerobern. Dabei steigerte ich mich natürlich so sehr in`s Training, daß aus einem normalen Waldläufchen ein ambitionierter Wunsch entstand, mal einen Marathon zu laufen. Zugegeben, durch frühere Aktivitäten fiel es mir nicht ganz so schwer, ein gewisses Grundlevel zu erreichen. Außerdem weiß jeder Läufer, entwickelt sich immer mehr die Sucht, seine Runden drehen zu müssen! Einfach geil, nach einer Sauerstoffdusche ein Bad zu genießen. Mit diesen Grundvorraussetzungen also lief ich dann nach gut zwei Jahren meine ersten 42,195 km in einer Zeit von 3:43.16! Ich war so happy, wußte ich doch, daß meine Reserven nicht ganz ausgeschöpft waren. Ich genoss den erhöhten Adrenalinspiegel mehrere Tage und war der glücklichste Mensch auf Erden! Bis mich die Tatsachen wieder auf den Boden zurückholten. Ich wurde krank!

KREBS- war die Diagnose!

Zwei Wochen nach meinem Erfolgserlebnis Marathon lag ich auf dem Operationstisch, wurde mir der rechte Hoden entfernt, da sich ein bösartiger mittelschwerer Tumor gebildet hatte. Ich fiel in ein tiefes Loch, Zukunftsängste machten sich breit; was ist, wenn...? Um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, wurden mir nach vierzehn Tagen auch noch die Lymphknoten im hinteren Bauchraum herausgenommen. Eine OP, die ich nie vergessen werde, da sich die komplette Narbe entzündet hatte- mir blieb aber nichts erspart! Ganz wichtig für mich war zu dieser Zeit die Unterstützung meiner Frau. Sie und meine Tochter gaben mir den Rückhalt, sprachen mir Mut zu, nahmen alles auf sich, nur damit ich wieder der Alte wurde. Ich sah wieder etwas Licht im Dunkeln, erholte mich zur Kur von den Strapazen der vergangenen Wochen, fing zu laufen an und machte den zweiten Marathon in 3:12:20! Das glaubt mir kein Mensch, ist jedoch reinste Kopfsache; damit verdrängte ich das Wort "Krebs" aus meinem Gedächtnis! Ich ging wieder arbeiten, der Alltag kam zurück und alles schien vergessen. Doch dann der

Rückschlag!

Ein halbes Jahr später verschlechterten sich meine Blutwerte, festgestellt zur vierteljährlichen Nachuntersuchung. Ein Zeichen von aktiver schneller Ausbreitung der Metastasen! Ich glaubte, ich würde verrückt. Nackte Angst um mein Leben machte sich breit, warum gerade ich...? Im Krankenhaus wurde festgestellt, daß sich in der Lunge eine Ei- große Tochtergeschwulst gebildet hatte und diese erst einmal mit Chemo behandelt würde. Also volles Programm bis zur Kotzgrenze, Appetitlosigkeit, Haarausfall, Abnahme bis hin zur Aufgabe des eigenen Willens! Ohne meine Familie ein hoffnungsloses Unterfangen. Das sollte jedoch nicht alles sein. Am 17. Juni 2005 wurden die Reste der erfolgreichen -Gott sei dank- Therapie operativ entfernt: Rippen auseinander, großräumig einen Teil der Lunge abgeschnitten und soweit die Hoffnung verbreitet, nichts mehr zu finden. Bei einer erneuten  Regenerationsphase sagte ich mir: Jetzt erst recht, kniete mich wieder in Laufambitionen hinein und absolvierte den Köln Marathon am 11. September 2005 in einer Zeit von 3:24:16- extra dafür zur Kur von den Ärzten im Klinikum in Bad Nauheim beurlaubt!

Der Mensch versetzt Berge!

Jedoch vermag er ohne Hilfe nur einen Bruchteil zu schaffen. Der Dank gilt besonders meiner Familie, meinen Eltern und Geschwistern, aber besonders meinen zwei Frauen, die mich zurück geholt haben, alles gegeben und kaum gezweifelt hatten.

Mittlerweile laufe ich in unserer Region den Ausdauercup mit und habe fünfzehn Marathonstarts zu verbuchen, die Lust steckt in mir und werde versuchen, immer wieder über meine Entwicklung zu berichten.

Ganz besonders aber möchte ich denjenigen Mut machen, die vielleicht ähnliches durchmachen und sich an jedes liebe Wort festpacken! Glaubt mir, es ist immer lohnenswert, ein Ziel vor Augen zu haben. Es muß nicht die Lauferei sein.