Lauf-Fan Jörg    


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Karstadt Marathon Dortmund- Essen am 17. Mai 2009

Eigentlich war das Ziel, die 42.195 km unter 3:15 Std. zu laufen, klar abgesteckt. Zumindest hatte ich mir grosse Hoffnungen gemacht, an meine Bestzeiten von vor drei Jahren heranzukommen. Aber wie so oft, müssen natürlich neben dem aktuellen Trainingszustand auch die äusserlichen Bedingungen an so einem Tag passen. Doch der Reihe nach.

Frohen Mutes und ohne Hektik fuhr ich früh zum Startpunkt nach Dortmund. In der mir verbleibenden Stunde traf ich die letzten Vorbereitungen; Brustwarzen getapt, Achselhöhlen und Beine mit Gel eingerieben und immer wieder `nen Schluck aus der Wasserflasche gezogen. Kurz vor dem Startschuss um 10 Uhr 30 dann die Einordnung in meinen Block nicht weit von den kenianischen Topläufern entfernt. Und genau da fing es zu regnen an. Nicht so schlimm; dachte ich mir- wirst eh schnell warm, ausserdem kann Regen nicht schaden.

Weit gefehlt! Durch Unregelmässigkeiten bei der Absperrung unserer Strecke in Bochum verschob sich der Start immer weiter, am Ende waren es satte 50 Minuten! Glatschnass und durchgefroren bis auf die Knochen, mit Druck auf der Blase und aufkommenden Hunger dann endlich die Erlösung.

Steif wie alle waren, brauchten wir lange Zeit, um unser Tempo zu finden. Viele, auch ich bogen nach wenigen Kilometern zum pinkeln ab, der Regen blieb standhaft und die Schuhe quitschten aus allen Löchern. Erst bei ca. km 10 befand ich mich in meinem Element, machte die Lauferei Spass und das Erlebte vergessen!

Ich kam langsam in Schwung und erreichte eine ordentliche Schrittfrequenz ohne dabei auf die Uhr zu schauen, da ich mich jetzt auch nicht mehr unter Druck setzen wollte. Regelmässiges Trinken und Energiezufuhr durch Einnahme von Elektrolythen und Bananen rechneten sich zu meinem Gunsten, so dass ich bis auf den letzten 5 Kilometern kaum Ermüdungserscheinungen hatte. Die Sonne kam heraus und ich selbst fühlte mich locker.

Wären nicht die Hügel in der Innenstadt von Essen gewesen, die zum Abschluss doch noch Kraft gekostet haben, vielleicht wäre am Ende eine bessere Zeit herausgekommen! Aber nicht schlimm, versuche ich es eben beim nächsten mal, mit 3:17:23 Std. bin ich trotzdem zufrieden.

Abschliessend zu erwähnen; eine interessante Strecke mit vielen Höhepunkten ( Bsp. Durchlaufen des Opelwerkes in Bochum oder der Zeche in Essen ) und reichlich Zuschauern, die dem Regen Stand hielten. Nachteilig dagegen die Organisation nach dem Zieleinlauf; bald 2 km bis an die eigenen Kleiderbeutel zum Umziehen gebraucht und noch einmal `ne halbe Stunde den Bus gesucht, der uns zum Startpunkt shutteln sollte und nicht`s ausgeschildert war...!      

                        

Frankfurt Marathon am 26. Oktober 2008

Für mich wieder das Erlebniss des Jahres. Denn wer einmal einen Marathon gelaufen ist, kann davon einfach nicht lassen. Die Sucht und das Phänomen treibt mich immer wieder dazu, dafür zu trainieren und die Strapazen auf mich zu nehmen, die Härte eines über 42 Kilometer- Laufes am Ende doch wegzustecken!

So auch zum letzten Wochenende in der regulären Sommerzeit. Der Start war chaotisch, viele "langsame" Läufer mogelten sich in unseren Block der relativ ambitionierten Sportler hinein, dass ein ordentliches Wegkommen undenkbar war. Trotzdem baute ich systematisch und ohne mich ablenken zu lassen, mein Marathontempo auf; erzielte mit einer Zwischenzeit bei Kilometer 5 von ca. 22 Minuten eine für meine Verhältnisse recht zügige Anfangsgeschwindigkeit! Selbst an der 10km- Marke mit 44 min. war ich eigentlich schneller wie geplant! So locker und entspannt ging es bis zur Halbmarathondistanz weiter, im Kopf wurde ich leicht hektisch und ich stellte mir heimlich die Frage, ob ich an meine persönliche Bestzeit von vor zwei Jahren mit 3:12:14 Std. herankomme!

 

Wäre ja doch zu schön gewesen! Denn durch das kalte Wasser an den Verpflegungsständen ging es mit einem Schlag bergab. Der Magen rebellierte, mir wurde teilweise übel und durch die Anstrengungen und Bewegungen übernahm mein Körper die Arbeit einer Zentrifuge. Es fehlte nicht viel und ich hätte auf den Bürgersteig geschi...! Gott sei Dank hatten die Veranstalter aller 5km Dixihäuschen hingestellt.

Nun; nachdem ich dort regelrecht explodierte, wollte sich das emotionale Tempo nicht mehr einstellen. Im Gegenteil; eine Hälfte vom Kopf horchte in meinen Bauch hinein und die andere Seite beschäftigte sich mit der Zielzeit. Als hätte ich nichts besseres vor! Weil nämlich jetzt auch noch die Gliedmaßen anfingen zu schmerzen. Schade, dachte ich, komme ich vielleicht nicht an meine Vorgabe von 3:20 Std. heran?

Die Qual der letzten Kilometer brauche ich daher nicht weiter zu beschreiben! Der Leser kann sich direkt vorstellen, dass der Trieb auf Durchhalten und Ankommen höchste Priorität besaß, ich am Ende noch mal alles mobilisieren musste, um "pünktlich" über die Ziellinie zu laufen!

Mann, sind wir bekloppt- aber mit 3:19:29 Std. freue ich mich trotzdem wie verrückt, weil gerade durch solche Begebenheiten der Marathon immer etwas besonderes bleibt...

Für mich war das auf jedenfall nicht der letzte !!!